„Ich melde mich später“ schrieb er und verschwand. Für immer. Warum ich diesen Text anfange wie einen kitschigen Roman? Ganz einfach, weil dieses Ende der Anfang meiner neuen Kollektion war.

Statement-Produkte überrollen uns gerade in den Läden, auf den Straßen und in den sozialen Netzwerken. T-Shirts geben uns eine Stimme ohne ein Wort zu sagen. Wir sprechen uns für Menschenrechte aus, schreien Girl Power in die Welt hinaus, machen uns für einen besseren Planeten stark oder verbinden uns mit Gang-, Club-, Crew- oder Banden-Shirts. Aber wer steckt eigentlich hinter den Produkten und trägt seine Stimme durch uns in die Welt?

Vanessa sagt es laut

Die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite und die ich im Laufe der Jahre als Ladenbesitzerin kennenlernen durfte, ziehen ihre Inspiration aus der eigenen Gefühlswelt, sei sie positiver oder negativer Art, aus ihrer politischen Einstellung, aus den unterschiedlichsten Momenten und Erlebnissen im Alltag oder aus Reisen, der Natur und dem Heimatgefühl, um nur ein paar Dinge aufzuzählen.

Als ich vor einiger Zeit aus dem nichts „geghostet“ wurde – dieser Begriff ist mir bis heute suspekt, ich bezeichne es lieber als asoziales Verhalten auf Kommunikationsebene – mir ein paar Tage noch Sorgen machte und während des dritten Anrufversuchs in einer Woche dann mit einem Kulli in mein Notizheft kritzelte „The person you have called is emotionally not available“, begann die Verarbeitung der Emotionen in einer neuen Kollektion.

Es sind Erfahrungen und Gefühle, die wir alle teilen. Wir sprechen kaum über sie, aber sie sind da und einmal ausgesprochen oder eben auf einem Shirt, Teller, Postkarte, whatever gedruckt und von vielen gelesen, gibt es uns doch gleich das Gefühl, nicht alleine mit unserer Geschichte oder Meinung zu sein. Schon beginnt die Kommunikation: I feel you, girl!

Wir schaffen ein Wir-Gefühl und versuchen, eine kleine Stimme in dieser großen Welt ein bisschen lauter werden zu lassen. (...) Einfach ein kleines Stück Veränderung hin zu einer besseren Welt.

Beim Scrollen durch unseren Instagram Feed wird uns schnell klar, wir fühlen uns zu denen zugehörig, die unser Leid, unsere Meinung oder unsere Freude teilen. Wir liken, kommentieren und kaufen Produkte nach Dank: „Werbung, wegen Markennennung“. Randnotiz. Wer hat sich den Bullshit eigentlich ausgedacht? Ende der Randnotiz.

Wir schaffen ein Wir-Gefühl und versuchen, eine kleine Stimme in dieser großen Welt ein bisschen lauter werden zu lassen. Unsere Themen? Umwelt, Menschenrechte, Liebe, Hass. Unsere Ziele: Toleranz, Respekt, Zusammenhalt. Einfach ein kleines Stück Veränderung hin zu einer besseren Welt.

Aber genug von uns „kleinen“ kreativen Menschen. Lasst uns eine Sekunde auf die großen Mode-Monstern schauen, die nichts anderes tun, als genau diesen Puls der Zeit in ihrer Produktionskette schlagen lassen und ohne Rücksicht auf Verluste kopieren und produzieren.

„There is no planet B“ schreibt eine große Modekette auf ihre Shirts und Sweater und wirbt mit Organic Cotton und Recycled Waste. Transparenz in der Produktionskette sucht man hier jedoch vergeblich. Sie springen einfach auf den „Trend“-Zug auf und haben leider das Geld für große Kampagnen, die viel mehr Menschen erreichen als wir es jemals schaffen werden.

Vor allem Zeitdruck herrscht in der Fast Fashion Welt. Also glaubt nicht, dass da irgendjemand sitzt und Zeit hat, sich irgendetwas schönes auszudenken. No Copy No Fame!

Nobody is perfect! Aber wie haben alle die Fähigkeit zu kommunizieren, können dank Internet alles teilen und haben die Möglichkeit, Dinge zu hinterfragen und unseren Teil dazu beizutragen, sie zu verbessern.

„Sie haben eine neue Nachricht.“

Eure Vanessa